Islandpferde Reiter- und Züchterverband Regionalverein Nordbayern e. V.

Von Tölt bis Rennpass –
die besonderen Gangarten des Islandpferdes

Das Islandpferd zeichnet sich neben seiner Größe, seiner Robustheit und seinem ausgewogenen Charakter vor allem durch seine ihm angeborenen Gangarten aus. Neben den allen Pferden eigenen Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp beherrschen Islandpferde zusätzlich den Tölt und den Pass. Diese beiden Gangarten sind genetisch verankert, wurden aber den meisten Warmblutpferden weggezüchtet. In Island hingegen legte und legt man großen Wert auf den für lange Reisen bequem zu sitzenden Tölt und den schnellen Pass und deren Erhaltung in der Zucht.
Islandpferde, die den vierten und fünften Gang beherrschen, werden „Fünfgänger“ genannt, „Viergänger“ beherrschen als zusätzliche Gangart nur den Tölt.

Die 4. Gangart: Tölt

Der Tölt ist ein dem Islandpferd angeborener und schon bei neugeborenen Fohlen zu beobachtender Viertakt, ähnlich dem Schritt. Das Pferd berührt dabei abwechselnd lateral und diagonal mit einem oder zwei Beinen den Boden. Es gibt keine Schwebephase, d.h. ein Bein hält immer den Bodenkontakt. Deshalb ist der Tölt selbst im hohen Tempo erschütterungsfrei für den Reiter. Der Tölt kann sehr langsam bis zum Renntempo, den sogenannten Renntölt, geritten werden. Im Renntölt können Islandpferde bis zu 40 km/h erreichen, gehen dabei in stolzer Haltung und bringen selbst pferdeunerfahrenen Zuschauern wahre Gänsehautmomente.

Islandpferd im Tölt

Die 5. Gangart: Pass

Die 5. Gangart Pass ist nicht allen Islandpferden angeboren, im Zuchtziel aber fest verankert. Der Pass ist eine laterale Gangart mit Flugphase. Die gleichseitigen Beinpaare fußen abwechselnd auf, dazwischen liegt jeweils ein Flugphase. Geritten wird der Pass nur im Renntempo über kurze Strecken von einigen hundert Metern. Langsamer Pass wird als fehlerhaft angesehen und scherzhaft als „Schweinepass“ bezeichnet. Im Rennpass, in Island auch als die Königsgangart bezeichnet, entfaltet das Pferd eine enorme Kraft und Energie und scheint fast zu fliegen.
Geschwindigkeiten von maximal 50 km/h können dabei erreicht werden. Der offizielle Weltrekord im Rennpass über die klassische Distanz von 250m (mit stehendem Start aus der Startbox) liegt zur Zeit bei 19,86 Sekunden – aufgestellt von Magnus Lindquist (Schweden) und Thor från Kalvsvik im Mai 2004. Im Speedpass, bei dem die Strecke mit fliegendem Start absolviert wird, wurde der Weltrekord 2007 in Island von Sigurður Sigurðarson auf Drífa frá Hafsteinsstöðum mit 7,18 Sekunden aufgestellt (= 50,14 km/h).

Islandpferd im Pass